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Mai

  • Grußwort 2022: Pfingsterfahrung

    In den letzten Wochen war für mich alles anders – keine Festtagsfreuden an Ostern oder Pfingsten, keine Gottesdienstbesuche, kein Urlaub und vor allem keine Routine, kein Alltag! – Plötzlich war ich krank.

    Und auf einmal wird der Blick auf das Leben ein anderer. Da ist die wahrhafte Erkenntnis, dass Gesund-Sein und Schmerzfrei-Sein keine Selbstverständlichkeiten sind und dass man sich Gesundheit oder Krankheit nicht verdienen kann. Da ist aber vor allem die Erfahrung, dass man auf andere Menschen angewiesen ist und dass Menschen für einen da sind. Für mich waren diese Erfahrungen Pfingst-Momente. Das Spüren, dass die Sache mit der Geistkraft Gottes nicht etwas ist, das nur die Jünger vor 2000 Jahren erfahren haben, sondern dass dieser Geist in unserem Alltag da ist: Rettungssanitäter*innen, Ärzte und Pfleger*innen, die nicht nur ihren Dienst tun, sondern ihren Patient*innen Freundlichkeit und wirkliche Empathie entgegenbringen; Nachbarinnen und Freundinnen, die zur Stelle sind, wenn man Hilfe braucht; die Familie, die alles stehen und liegen lässt, um zur Hilfe zu eilen – welch ein Segen, das schoss mir trotz allen Elends immer wieder durch den Kopf.

    Pfingsten, das sind die kleinen und großen Dinge im Alltag, das sind die kleinen Gesten, die tröstenden Worte und das Gefühl nicht alleine zu sein. Da wirkt der Geist Gottes, durchkreuzt die Routine und lässt Menschen zum Segen werden.

    Uns bleibt dann nur noch, diesen Segen auch anzunehmen.

                                                                                                                                              Margret Stommel

  • Grußwort 2022: Maria


    Liebe Leserinnen und Leser,

    in diesem Monat wollen wir die Frau ehren, die Christi Mutter war. Wer ist Maria? Eine unbekannte Frau vor 2000 Jahren. Niemand nimmt von ihr Notiz. Geschichtsbücher erwähnen sie nicht. Trotzdem hinterlässt sie Spuren, deutlicher als die „Großen“ der Weltgeschichte. Damit beginnt ihre Geschichte: Sie ist ansprechbar. Sie lebt nicht in einer geschlossenen Welt.


    Heute begegnet sie uns nicht nur in Kirchen, sondern auch auf Straßen und Plätzen und an den Häusern. Sie ist für uns Christen eine bedeutende Person. Wir kennen die Lieder zu ihrer Ehre, die verschiedenen Darstellungen auf Bildern und in Figuren. Auch Menschen, die viele Jahre abseits der Kirche ihren Weg gegangen sind, treten an Wallfahrtsorten vor ein Bildnis Marias hin, zünden eine Kerze an und verweilen in Stille. Bei manchen schwingen auch Bitten mit.

    Zunehmend mehr Menschen stehen aber auch recht ratlos vor dem Bild Marias. Sie sind zwar beeindruckt, wie viele Menschen sich zu dieser Frau hingezogen fühlen, können aber die Zeichen der Verehrung oft nicht recht einordnen. Maria ist für manche fragwürdig geworden, auch wegen der gewandelten Frauen- und Männerbilder unserer Zeit. Der Monat Mai, seit alters her Maria gewidmet, kann auch für uns Anlass sein, uns zu fragen: „Wer ist Maria für mich“? Ist es in der heutigen Zeit sinnvoll, ihr zu folgen und sie als Vorbild zu haben? Auch als Mann?

    Pater Jijo Kunnumpurath

     

     

     

     

  • Grußwort 2021: Pfingsten

    „Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist“ (1. Korinther 12,4)

    Was macht uns besonders, bedeutend, einmalig? Diese Frage haben sich sicher schon viele von uns gestellt. Denn für keinen Menschen ist es schön beliebig zu sein und in der Masse von Menschen
    unterzugehen. Wir haben den Wunsch besonders zu sein, wichtig, wenigstens für ein paar Menschen in unserem Umfeld. Niemand mag es, übersehen zu werden.

    Manche Menschen fallen auf, indem sie ständig z. B. ihr Können unter Beweis stellen, durch langes Reden, durch auffallende Kleidung oder durch Lautstärke. Sie versuchen aufzufallen, um jeden Preis. Die Sache hat nur einen Haken: wenn es nur bei Äußerlichkeiten bleibt, haben diese sich schnell verbraucht und werden uninteressant. Das Gegenteil tritt also ein, da man nur besonders ist, weil man sich besonders macht.

    Aber wodurch werden wir denn dann einzigartig?

    Besonders und bedeutend werden wir durch die Art, zu lieben. Wir werden besonders in der Art und Weise unserer Zuwendung, der Freundlichkeit, der Liebe. Wenn es bei Paulus im Korintherbrief heißt, dass jeder Mensch Gnadengaben von Gott bekommen hat, sind wirklich wir alle gemeint! Diese Gnadengaben dürfen wir einsetzen zum Wohl aller. Wir sollen sie so einsetzen, dass Gottes Geist spürbar wird für unsere Mitmenschen. Jeder von uns hat die Gabe, diesen Geist auf seine oder ihre Weise auszudrücken.

    „Was ich kann, ist doch nichts Besonderes!“, werden sie vielleicht denken. „Was ich kann, können doch ganz viele!“ Oft mag es so aussehen, als könne jeder von nichts anderes, als unsere Mitmenschen und als wären unsere Gaben, die wir in unserem Alltag gebrauchen, beliebig. Fast so, als wären wir austauschbar.

    Bei genauerem Hinsehen, stimmt das aber nicht. So nämlich, wie mich meine Oma trösten konnte, konnte es niemand anderes, so wie meine Mutter mit mir gebastelt hat, konnte es niemand anderes und so wie mein Vater mir Dinge erklären konnte, konnte es niemand sonst. In der Art zu lieben sind sie in ihrem Tun einzigartig und besonders und bis heute bedeutend für mich!

    So stimmt es dann doch: Du bist einzigartig. Keiner kann dich ersetzen, in der Art, in der du liebst. Besonders und bedeutend macht uns unsere Art zu lieben. Deshalb lieben wir.

    Andrea Nörling, Gemeindereferentin

  • Grußwort 2021: Christi Himmelfahrt

    Mama, wo ist der Himmel?

     

    Weißt du, wo der Himmel ist, außen oder innen?
    Eine Handbreit rechts und links, du bist mittendrinnen.

    Weißt du, wo der Himmel ist? Nicht so tief verborgen;
    Einen Sprung aus dir heraus, aus dem Haus der Sorgen.

    Weißt du, wo der Himmel ist? Nicht so hoch da oben;
    Sag doch ja zu dir und mir, du bist aufgehoben.
    (Text: Wilhelm Wilms)

     

    Wenn wir mit Kindern über verstorbene Menschen sprechen oder ihnen erklären möchten, wo Gott „wohnt“, sagen wir oft, er ist im Himmel. Dabei deuten wir und schauen nach oben in die Wolken. Aber wo ist der Himmel eigentlich?

    Anders als auf einem Globus gibt es für ihn keine genaue Ortsangabe. Wir finden ihn nicht, wie auf einer Karte genau verzeichnet. Und doch, ist er da.

    Wir sind mittendrin, im Himmel. Himmel meint also, alles, was uns umgibt, wie z.B. Menschen,  Tiere, Pflanzen, Sonne, Regen etc. Wir sind eingebettet in den Himmel. Aber Himmel gibt es auch in uns, denn er ist auch innen, wie es in dem Text heißt. Kann man den Himmel also spüren?

    Ich denke, damit sind auch unsere Gefühle gemeint. Mit Himmel verbinde ich gute, weiche, geborgene und schöne Gefühle. Die Gefühle, die mich glücklich machen. Zum Himmel in uns gehört für mich aber auch der Charakter und die Talente. Wir tragen ihn also bereits in uns. Es ist für mich alles, womit ich andere bereichern kann und womit ich bereichert werde.

    Das hört sich ganz einfach an, aber wir wissen selbst, dass es nicht ganz so einfach ist, zu spüren, wie himmlisch das Leben sein kann. Durch Selbstzweifel, Ängste, selbstauferlegte Anforderungen, Druck von außen oder Erwartungen schaffen wir es ganz leicht, unsere himmlischen Gaben zu vergraben. „Das war schon immer so“ oder „das klappt eh nicht“ sind Sätze, die mir dann im Ohr klingen.

    Dabei dürfen wir doch den „Sprung aus dem Haus der Sorgen“ wagen und über den Tellerrand schauen, um neue Möglichkeiten zu entdecken und Neues zu wagen. Und was ist das für ein tolles Gefühl, wenn wir uns aus unserem Schneckenhaus herausgewagt haben und dem Himmel eine Chance geben! Wenn wir frei handeln und denken! Unbeschreiblich!

    Natürlich können wir nicht alle Probleme lösen, denn „das Haus der Sorgen“ wird nicht einfach ausgelöscht. Aber unsere inneren Bremsen werden gelockert und wir ermöglichen uns eine andere Sichtweise auf die Welt, unsere Mitmenschen und unsere Probleme. Auch unsere Einstellung verändert sich.

    Das erinnert mich ein wenig an meinen Sohn, der vor kurzem Fahrrad fahren gelernt hat. Er war sich am Anfang noch nicht so ganz sicher, ob er es wirklich versuchen möchte, denn er wusste, dass es unter Umständen ganz schön wehtun kann, wenn es schief geht und er hinfällt. Er wollte aber unbedingt so schnell wie sein Freund fahren können. Zum Glück hat er es versucht und kann jetzt mit seinem Freund zusammen Fahrrad fahren! Für ihn ist das ein Stück Himmel.

    Geholfen hat ihm dabei sicher nicht nur sein Wunsch und sein Mut, sondern auch, dass er wusste, wenn es schief geht und ich falle, sind meine Eltern für mich da; sie fangen mich auf oder trösten mich, wenn ich mir weh getan habe. Und das mussten wir auch!

    So ist das auch für uns mit Gott. Wenn wir uns aus unserer Komfortzone herauswagen und Neues wagen, kann das auch schief gehen. Wir wissen dann aber, dass Gott uns auffängt und wir bei ihm geborgen sind. Er ist, wie wir bei unserem Sohn, neben uns um uns aufzufangen. Er hat das Zutrauen in uns, wie wir in unseren Sohn, dass wir es gut machen werden bzw. lernen werden um immer eingeübter zu sein. Gott traut uns zu, dass wir den Himmel und ihn spürbar werden zu lassen, denn nicht wo der Himmel ist, ist Gott, sondern wo Gott ist, ist der Himmel!

    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Feiertag und den Mut, im Vertrauen auf Gott, Himmlisches zu wagen!

    Andrea Nörling, Gemeindereferentin

April

  • Grußwort 2022: Auferstehung

    Liebe Mitchristen,

    in Anbetracht der Nachrichten die wir seit Wochen und Monaten, ja seit Jahren verfolgen, hört man eigentlich nichts anders mehr als Krankheit, Krieg, Wirtschaftsprobleme und die damit fast unlösbaren Aufgaben für die Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Die Corona-Pandemie hält uns seit langem in Atem und scheint nur langsam besser zu  werden. Alle hofften nun auf ein besseres Jahr und dann kam sofort der Urkrainekrieg, dessen Schrecklichkeit und Leid mit Worten nicht zu beschreiben ist. Ein Krieg der direkt vor unserer Haustür stattfindet und uns durch die Sanktionen und die damit verbundenen stark gestiegenen Energiepreise direkt betrifft. Auch die militärische Bedrohung Mitteleuropas war seit vielen Jahren nicht mehr so hoch gewesen, wie in diesen Tagen.

    Wir alle sehen uns so sehr nach Normalität. Der Alltag hält für uns doch genügend Sorgen bereit, wir brauchen nicht noch mehr.

    Soll alles jetzt so weitergehen oder gibt es doch noch so etwas wie das Gute, Schöne und die Hoffnung.

    Das große Wort das wir Christen dafür haben ist Auferstehung.

    Auch in diesem Jahr feiern wir wieder das Osterfest. Wir Christen sagen, es ist das größte Fest im Laufe des Jahres. Aber was bedeutet die Auferstehung Jesu Christi für uns? Wir wissen doch nur das, was im Neuen Testament der Heiligen Schrift über die Jahrhunderte verkündigt wurde. Da ist vom leere Grab die Rede und von einem großen Stein, der trotz Bewachung weggerollt wurde. Wir hören von den Frauen aus dem Umkreis Jesu, die nach dem Leichnam schauen wollten. Wir hören davon, dass er den Jüngerinnen und Jüngern erschienen ist, dass sie Jesu erkannten und er lebendig bei ihnen war.

    In unserer Zeit, wo wir darüber diskutieren, welches Raketenabwehrsystem das Richtige ist und wie wichtig doch die Coronaimpfung ist und ob wir nächstes Jahr noch heizen können, sollen wir uns damit beschäftigen, dass da vor fast 2000 Jahren Jesus von den Toten auferstanden ist? Damit beschäftigen, dass das unmögliche doch möglich ist? Wenn ich an die Auferstehung denke, dann glaube ich ganz fest daran, dass unser Leben nie ohne Hoffnung ist. Das Gute hat in unserer Welt seinen Platz. Wie kann man das erkennen? Auferstehung kann beim Erleben schöner Musik passieren. Wir können etwas erleben, dass wir nicht beschreiben können. Die Musik erhebt uns spricht unsere Gefühle an, macht uns glücklich oder erzeugt auch andere Stimmungen. Es gibt auch nach wie vor die Menschen, die es gut mit uns meinen, die uns lieben. Auch das ist etwas Unbeschreibliches. Wir fühlen uns in Gegenwart dieser Menschen wohl. Wenn ich an Auferstehung denke, dann lebt in mir die feste Hoffnung, dass meine lieben Verstorbenen bei Gott sein dürfen. Ich hoffe, sie teilen diese Hoffnung mit mir. Es gibt so vieles um uns herum, dass gute Gefühle in uns weckt und auslöst, Gefühle, die uns sagen, es ist doch schön auf dieser Welt. Bei all dem Schweren und Leidvollen, dass wir leider nicht weg reden können, gibt es Auferstehung. Das heißt die Liebe und Güte Gottes lebt unter uns.

    Das ganze pastorale Pfarrteam und ich wünschen Ihnen frohe und gesegnete Ostern

    Pfarrer Matthias Hermes

  • Grußwort 2022: Selig die Gewaltlosen

    In dieser schweren Zeit, in der wir an jedem Tag neue, schlimme Nachrichten aus der Ukraine hören, in der wir keine Ahnung haben, wie lange dieser Krieg noch dauern wird, in der wir keine Antwort darauf finden, warum es Kriege gibt und erst recht keine Antwort darauf, wie wir den Krieg stoppen können, möchte ich heute hier zwei Texte von Phil Bosmans aufschreiben, in denen er davon spricht, was wir, jeder von uns, ganz grundsätzlich zu einer friedlicheren Welt beitragen können:

    Ich will die Welt verändern,
    aber nicht mit Gewalt.
    Dafür sind mir die Menschen zu schade.

    Gewalttätige machen alles kaputt. Gewalttätige sind Bulldozer. Sie dringen überall vor. Sie walzen alles platt, was zart und schwach und leicht zu verletzen ist. Täglich werden Menschen das Opfer von Menschen. Auf das Glück der Menschen fällt der Schatten der Gewalt.

    Aber Gewalt kann man nicht mit Gewalt heilen. Wir müssen den Weg der Gewalt verlassen, den Weg von Blut und Tränen, den Weg des Todes, den alten, von Generationen ausgetretenen Weg, den Weg des Glaubens an die Macht, an den Besitz und das Recht des Stärkeren.

    Wir müssen neue Wege gehen, den Weg der Menschlichkeit unter den Menschen, den Weg zum Licht durch die Nacht, den langen Weg zur Liebe, damit die Freude am Leben aufblüht wie ein farbiger Regenbogen am Himmel unseres Dorfes, das Erde heißt.

    Das Leben ist viel zu kurz
    und unsere Welt viel zu klein,
    um ein Schlachtfeld daraus zu machen. 

    Unser Zusammenleben ist kalt, hart. Unsere Sprache ist voll Drohung und Gewalt. Protestieren. Kommandieren. Tyrannisieren.
    Die Welt braucht Wärme, Güte, Zartheit. Zartfühlend wirst du, wenn du weißt, wie zerbrechlich die Dinge, wie einsam die Menschen sind.

    (Phil Bosmans: Worte zum Menschsein. Freiburg 2007)

     

                                                                                                                           Margret Stommel

  • Grußwort 2021: Ostern

    Liebe Mitchristen!

    Auf vieles, was sonst selbstverständlich ist müssen wir in der Zeit der Corona-Krise verzichten. Die allermeisten zwischenmenschlichen Kontakte sind auf ein Minimum heruntergefahren. Menschen können nicht in Gemeinschaft musizieren oder ihren Sport ausüben. Essen gehen oder sich in gemütlicher Gemeinschaft zusammensitzen ist im Moment nicht möglich. In Urlaub fahren geht leider auch nicht. Wir müssen im Moment alles tun, dass sich diese Viruskrankheit nicht noch weiter ausbreitet und sich weitere Menschen anstecken und teilweise sehr schwer erkranken oder gar sterben.
    Diese Zeilen schrieb ich zu Ihnen im letzten Jahr vor Ostern und sie sind leider in diesem Jahr noch genauso aktuell, wie im Letzten.

    Liebe Schwestern und Brüder,
    ein Satz aus dem Johannesevangelium, der am Gründonnerstag verkündet wird, gefällt mir in diesem Jahr ganz besonders und ist mir mehr aufgefallen als sonst. Er lautet: „Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung. (Joh, 13,1)“ Das ist ein großer Satz, der für mich alles ausdrückt, was Gott uns durch seinen Sohn Jesus Christus geschenkt hat. Das Größte, was uns Gott geschenkt hat ist seine Liebe. Er ist nicht nur die Liebe, sondern er schenkt sie weiter, besonders durch seinen Sohn Jesus Christus. Diese Liebe ist so groß, dass er seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern sogar den furchtbaren Tod am Kreuz zulässt. Er tut dies aus Liebe zu seinen Geschöpfen, um alles Böse aus der Welt zu nehmen. Das wäre jetzt schon ein großer Liebesbeweis Gottes, aber Gott möchte noch viel mehr. Sein Sohn kann das Grab nicht festhalten, sondern der Stein am Grab wird weggewälzt und er steht auf zu einem neuen Leben.

    Darum ist Ostern das größte Fest im Jahr. Wir feiern den Tod und vor allem die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Die Auferstehung Jesu ist die Mitte unseres Glaubens. Sie ist der Grund unserer Erlösung. Wer an die Auferstehung glaubt sieht über den Tod hinaus. Durch unsere Taufe sind wir hineingenommen in dieses Ereignis. Die Freude über die Erlösung soll in uns mächtig werden und unser Leben erfüllen. Gerade in dieser besonderen Zeit kann uns das wieder neu bewusst werden.

     

    Liebe Schwestern und Brüder!
    Von Herzen wünsche ich Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest. Nehmen wir alle in unser Gebet mit hinein, die heute besonders unser Gebet brauchen. Bitten wir Gott, dass er uns in dieser Zeit Kraft und Ausdauer schenke und vertrauen wir stets auf seine Nähe. Ich möchte schließen mit dem Tagesgebet des Ostersonntages:

    Allmächtiger, ewiger Gott,
    am heutigen Tag hast du durch deinen Sohn den Tod besiegt
    und uns den Zugang zum ewigen Leben erschlossen.
    Darum begehen wir in Freude das Fest seiner Auferstehung.
    Schaffe uns neu durch deinen Geist, damit auch wir auferstehen
    und im Licht des Lebens wandeln.
    Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
    Amen.


    Ihr Pfarrer Matthias Hermes

     

     

  • Grußwort 2021: Durchkreuzter Frühling

    Endlich Frühling! Es treibt mich hinaus in die Natur. Auf meinen vielen Wanderungen und Spaziergängen in dieser Corona-Zeit freue ich mich ganz besonders, wenn ich an einem
    Wegkreuz vorbeikomme oder irgendwo eine kleine Kapelle entdecke.
    Es ist erstaunlich, wie viele es davon gibt.

    Oft tauchen solche Wegkreuze ganz unerwartet an Stellen auf, an denen man nicht mit ihnen gerechnet hat. Bei diesen „Begegnungen“ gehen mir immer wieder ganz unterschiedliche Dinge durch den Kopf: Wie schön, dass es sie gibt, diese Wegkreuze. Was mag die Menschen bewogen haben, sie zu errichten? Wie lange werden sie noch stehen? Wie schön, dass sie gepflegt werden. Das Entscheidende für mich ist aber ein Gefühl der Dankbarkeit, das ich jedes Mal spüre,
    wenn ein Kreuz am Wegesrand oder auf einer Anhöhe vor mir auftaucht. Dankbarkeit für all das, was ich auf meiner Wanderung sehen und erleben darf, Dankbarkeit für die Schöpfung, die sich gerade jetzt im Frühling von ihrer schönsten Seite zeigt. Und zugleich spüre ich eine Geborgenheit im Glauben, die darin zum Ausdruck kommt, dass Menschen schon so lange vor mir das Kreuz aufgestellt haben. Ich kann meinen Glauben teilen mit allen Menschen, die an diesem Kreuz vorbeigegangen sind und daran vorbeigehen werden.

    Das Kreuz mitten in der Natur rüttelt mich auf und zeigt mir die Begrenztheit meines Lebens. Es lässt einen ehrlichen Blick auf das Leben zu und ist zugleich ein Zeugnis der Hoffnung.
    Wegkreuze laden seit jeher zum Gebet ein oder wenigstens zu einem kurzen Gruß an den, der mit dem Kreuz gemeint ist.

    Dafür ist beim Vorbeigehen immer Zeit.

    Margret Stommel

März

  • Grußwort 2022: Christ sein - gerade jetzt!

    Fassungslosigkeit und Sprachlosigkeit, Wut und Trauer, Ohnmacht und Hilflosigkeit - als ich am Donnerstagmorgen um 05:30 Uhr während einer Autofahrt die ersten Nachrichten aus der Ukraine hörte, wusste ich nicht, wohin mit meinen Gefühlen. Es war, als würde ich plötzlich in einer anderen Welt leben als noch am Vortag. Aber es ist dieselbe Welt geblieben. Der Unterschied ist nur, dass das Böse, das vorher sein Gesicht versteckt hat, plötzlich sichtbar geworden ist.

    Liebe Mitchristen, in dieser Woche sind wir von einer Entwicklung überrascht worden, die zumindest in Europa niemand für möglich gehalten hat: ein Angriffskrieg auf ein souveränes, demokratisches Land in Europa. Und das, weil Demokratie und Freiheit den autokratischen Machtanspruch des russischen Präsidenten in Frage stellen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber gerade als glaubender Christ komme ich in einer solchen Situation an meine Grenzen. Warum muss so etwas passieren? Warum kann so etwas geschehen? Die gleiche Frage stellte sich mir am 31.Januar. Zwei junge Polizisten werden von zwei Wilderern erschossen. Und jedes Mal, wenn ich als Polizeiseelsorger mit dem sinnlosen und völlig unerwarteten Tod oder dem Leid von Menschen konfrontiert bin, tauchen die gleichen bohrenden Fragen auf, die ich herausschreien möchte:

    Gott wo bist du? Warum lässt du das zu?

    Aber gleichzeitig auch die Frage, was kann ich, was können wir als Christen tun? Am 31.Januar bin ich am späten Nachmittag in eine kleine Kapelle gegangen, dort habe ich mich hingesetzt und für alle Betroffenen gebetet und für die beiden Getöteten zwei Kerzen aufgestellt. In meinem Gebet tauchte auch die Frage nach dem Warum auf und wieso Menschen überhaupt auf Menschen schießen. Warum sind wir Menschen zu so vielen Abgründen fähig? Ich habe in meinem Gebet keine Antwort gefunden, aber ich habe gespürt, dass ich in diesem Augenblick nicht allein war und dass Gott nicht nur Trost und Halt geben kann, sondern dass er auch bereit ist, die ganze Wucht meiner Gefühle auszuhalten. Auch meine Anklage und meine Wut. Aber ich weiß auch, dass das allein die Welt nicht ändern wird.

    Was können wir also noch tun? Was müssen wir tun? Wir brauchen vor allem eine neue christliche Authentizität: eine Übereinstimmung unserer Worte und Taten. Es ist unsere Pflicht, in den Formen der Solidarität kreativ zu sein mit allen Menschen auf der Welt, die Ungerechtigkeit, Hass uns Willkür ausgesetzt sind. Und jetzt besonders mit den Menschen in der Ukraine. Reden wir darüber, wie wir das als Gemeinde gemeinsam tun können. Sprechen Sie den neu gewählten Pfarrgemeinderat an und geben Sie uns Impulse und Anregungen.

    Liebe Mitchristen, wir sind nicht hilflos und ohnmächtig. Es gibt viele Formen Solidarität zu zeigen, die Stimme hören zu lassen.

    Und Christ sein heißt auch, die Hoffnung nicht zu verlieren, dass letztlich die Sehnsucht nach Frieden und Leben in Fülle stärker ist als die Machtgier einzelner. Gebet und Hoffnung sind unsere stärksten Waffen. Wir haben das große Geschenk, beten zu dürfen und zu können, und wir haben das Geschenk, vor Gott unsere Gefühle, unsere Fragen und unsere Anklage ausbreiten zu können. Tun wir es!

                                                                                                                                Hubertus Kesselheim

  • Grußwort 2021: Kennen Sie Carlo Acutis?

    Ich vermute einmal, wenn sie nicht sehr aufmerksam die katholische Presse verfolgen, eher nicht. Der neue jugendliche Selige nennt man auch den Seligen des Internets.

    Carlo Acutis ist ein ganz normaler Junge: intelligent, sportlich, modern, aber er ist auch ein sehr frommer Mensch. Ein echter Christ

    Carlo Acutis ist immer normal geblieben, wenn auch mit unnormalen Eigenschaften. Er ist leidenschaftlicher Fußballfan, geht aber auch jeden Tag zur Heiligen Messe. Wie viele andere Jugendliche spielt er mit seiner PlayStation und schaut sich gerne Filme an. Er betet aber ebenfalls den Rosenkranz und liebt seinen Schutzengel sehr.
    Am 3. Mai 1991 wird er in London geboren, wo seine Eltern zu dieser Zeit arbeiten. Bald zieht die Familie zurück in die italienische Heimat nach Mailand, wo der Junge wohlbehütet und bestens aufwächst.
    Mit 11 Jahren beginnt er den wohl weltweit umfangreichsten Internetauftritt über eucharistische Wunder anzulegen. Bis heute wird diese Webseite vieltausendfach angeklickt und man kann sie in 18 Sprachen lesen. Er hat in seinem Portal 146 eucharistische Wunder dokumentiert.
    Er ist erst 15 Jahre alt, als ihn eine tödliche Krankheit ereilt. Er starb am 12. Oktober 2006 im italienischen Monza in Folge eines Krebsleidens. Carlo Acutis sieht dem Tod offen ins Auge. Er ist fest davon überzeugt, dass sein Leben weitergeht und es eigentlich jetzt erst beginnt.
    Auf seinen Wunsch wurde er in Assisi in der Kirche Santa Maria Maggiore beigesetzt. Am 10. Oktober 2020 wurde Carlo in der oberen Basilika des Hl. Franz von Assisi seliggesprochen. Bemerkenswert dabei ist, dass die Eltern bei der Seligsprechung ihres Sohnes zugegen waren. Das war für sie bestimmt ein ganz ergreifender Moment.
     

    Worte von Carlo Acutis:

    „Alle Menschen werden als Original geboren, aber viele sterben als Fotokopien.“

    „Die Heilige Eucharistie ist meine Autobahn zum Himmel.“

    „Wenn wir uns der Sonne zuwenden, werden wir braun, wenn wir in der Eucharistie vor Jesus stehen, werden wir heilig.“

    „Finde Gott und du wirst den Sinn deines Lebens finden.“


    Bitten wir den seligen Carlo Acutis, den Seligen des Internets um Fürsprache bei Gott für unseren neuen Internetauftritt.

    Matthias Hermes, Pfarrer

Februar

  • Grußwort 2022: Frühlingsglaube – ein Plädoyer für die Hoffnung

     

    Die linden Lüfte sind erwacht,
    sie säuseln und weben Tag und Nacht,
    sie schaffen an allen Enden.
    O frischer Duft, o neuer Klang!
    Nun armes Herze, sei nicht bang!
    Nun muss sich alles, alles wenden.

    Die Welt wird schöner jeden Tag,
    man weiß nicht, was noch werden mag,
    das Blühen will nicht enden.
    Es blüht das fernste, tiefste Tal:
    Nun, armes Herz, vergiß die Qual!
    Nun muß sich alles, alles wenden.

     

    Dieses Gedicht, das viele von Ihnen vielleicht noch aus der Schulzeit kennen, wurde von Ludwig Uhland 1812 geschrieben und gehört zu seinen bekanntesten Gedichten. Es passt zu dieser Jahreszeit – denn wer wartet nach all den grauen, kalten Tagen nicht sehnsüchtig auf den Frühling?

    Als Gedicht über den nahenden Frühling mag man es verstehen – aber vielleicht geht es dem Dichter auch um mehr. Uhland war viele Jahre Mitglied des würtembergischen Landtags und dann 1848 sogar Abgeordneter der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche. In beiden Gremien kämpfte er für die heutige Demokratie. Seine ganze Hoffnung auf Veränderung, auf mehr Rechte für die Menschen wird deutlich in dem Vers, der sich wie ein Refrain wiederholt: „Nun muß sich alles, alles wenden“.

    Es war genau dieser Vers, an dem ich mit meinen Gedanken hängengeblieben bin, als ich ihn in diesen Tagen zufällig wieder hörte. Angesichts der nicht enden wollenden Pandemie, der Kriegsangst in Europa, angesichts des Klimawandels und angesichts der augenblicklichen Situation in unserer Kirche möchte man sich hinstellen und wie Uhland rufen: „Nun muß sich alles, alles wenden“. Dieser Satz ist nicht nur ein Weckruf sondern vor allem ein starkes Zeichen der Hoffnung, ein Zeichen des Glaubens daran, dass sich etwas verändern kann und muss. Das ist doch auch der zentrale Punkt unseres christlichen Glaubens: Hoffnung – die Hoffnung auf ein Leben mit Gott im Hier und Jetzt und nach dem Tod. Damit ist diese Hoffnung nicht nur auf die Zukunft bezogen sondern auch auf unser Leben, unsere Welt jetzt. Das bedeutet, dass wir als Christen nicht untätig hoffen, sondern, dass unser Einsatz gefragt ist – überall im Leben. Manchmal möchte man sich wegducken, wenn im Bekannten- und Freundeskreis mal wieder die Rede ist von der katholischen Kirche, von Missbrauch und Sexualmoral. Wie soll man erklären, dass man immer noch zu „diesem Verein“ gehört?

    Aber das Gedicht von Uhland hat mir noch einmal auf ganz andere Weise deutlich gemacht, wie weit uns tätige Hoffnung tragen kann. Dabei bleiben und kämpfen, damit Dinge sich verändern; für eine Zukunft eintreten, ohne in die Zukunft zu fliehen; die Zukunft in unser Leben hineinholen – sind das nicht die Kräfte, die da „säuseln und weben Tag und Nacht“ und die „an allen Enden schaffen“?

    Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe den Eindruck, dass sich gerade jetzt in unserer Kirche etwas bewegt. Und das, weil viele Menschen nicht mehr mit ihrer Meinung zurückhalten, weil sie klar nach Neuerungen fordern und Zuspruch erhalten. Da ist die Initiative Out in Church, da sind Frauen, die für Gleichberechtigung in der Institution Kirche kämpfen, da geht es um schonungslose Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. Und da ist natürlich auch der Druck derer, die die Kirche verlassen.

    Genau deshalb, weil sich nur etwas verändert, wenn wir für Veränderung eintreten, möchte ich bleiben, in einer tätigen Hoffnung kämpfen und mir immer wieder sagen:

    „Nun muss sich alles, alles wenden.“

                                                                                                                      Margret Stommel

  • Grußwort 2022: Wahrheit - Güte - Notwendigkeit

    „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Diese Redewendung, die aus dem arabischen Raum stammt und erstmals 1792 von Johann Gottfried Herder ins Deutsche übersetzt wurde, gehörte in meiner Kindheit zu den beliebtesten Sprüchen für das Poesiealbum, jenes wunderschöne Büchlein, das man seinen Freundinnen gab, damit sie Zitate, Lebensweisheiten und Sprüche darin eintrugen und das ganze mit Glanzbildern verzierten. Schon wir Kinder verstanden diesen Spruch sehr genau. Man soll sich gut überlegen, was man sagt, denn was einmal gesagt ist, kann man nicht mehr zurücknehmen. Deshalb ist es oft besser zu schweigen.

    Wenn ich auch heute der Meinung bin, dass das Reden, das Schweigen brechen, den Mund aufmachen in vielen Situationen sehr wichtig, sogar unerlässlich ist, so scheint mir doch das Reden, mit dem wir heute tagtäglich konfrontiert werden, als durchaus problematisch. Was wird da nicht alles in die Welt gesetzt an sogenannten Wahrheiten , an Hass und Häme! Der oben zitierte Poesiealbum-Spruch war nie aktueller als in Zeiten des Internets mit seinen sozialen Medien und Online-Bewertungen. Und deshalb ist es aus meiner Sicht wichtiger denn je, darüber nachzudenken, wie wir mit unseren Worten umgehen. Einen wichtigen Hinweis dazu gibt uns die folgende Geschichte von den drei Sieben:

    Einst wandelte Sokrates durch die Straßen von Athen. Plötzlich kam ein Mann aufgeregt auf ihn zu. „Sokrates, ich muss dir etwas über deinen Freund erzählen, der…“ „Warte einmal“, unterbrach ihn Sokrates. „Bevor du weitererzählst – hast du die Geschichte, die du mir erzählen möchtest, durch die drei Siebe gesiebt?“ „Die drei Siebe? Welche drei Siebe?“, fragte der Mann überrascht. „Lass es uns ausprobieren“, schlug Sokrates vor. „Das erste Sieb ist das Sieb der Wahrheit. Bist du dir sicher, dass das, was du mir erzählen möchtest, wahr ist?“ „Nein, ich habe gehört, wie es jemand erzählt hat.“ „Aha. Aber dann ist es doch sicher durch das zweite Sieb gegangen, das Sieb des Guten? Ist es etwas Gutes, das du über meinen Freund erzählen möchtest?“ Zögernd antwortete der Mann: „Nein, das nicht. Im Gegenteil…“ „Hm“, sagte Sokrates, „jetzt bleibt uns nur noch das dritte Sieb. Ist es notwendig, dass du mir erzählst, was dich so aufregt?“ „Nein, nicht wirklich notwendig“, antwortete der Mann. „Nun“, sagte Sokrates lächelnd, „wenn die Geschichte, die du mir erzählen willst, nicht wahr ist, nicht gut ist und nicht notwendig ist, dann vergiss sie besser und belaste mich nicht damit!“

    Wie gut wäre es, wenn wir unsere Worte häufiger mit Hilfe der drei Siebe prüften, uns vielleicht öfter für das Gold des Schweigens entschieden oder aber unsere Worte dazu nutzten, um anderen Gutes zu tun oder um auf Missstände aufmerksam zu machen.


    Öffne deinen Mund für den Stummen
    für das Recht aller Schwachen.
    Sprüche 31,8


    Bei vielem Reden bleibt die Sünde nicht aus,
    wer seine Lippen zügelt, ist klug.
    Sprüche 10,19

                                                                                                                                        Margret Stommel

Januar

  • Grußwort 2022: Vom Glück


    Kleeblatt, Schornsteinfeger, Hufeisen, Glücksschwein – all diese Symbole für das Glück haben zum Jahreswechsel Hochkonjunktur und die vielen „Glücks“- Wünsche werden im Laufe des Jahres höchstens von den Geburtstagsglückwünschen übertroffen.

    Was liegt also näher, als sich zu Beginn eines neuen Jahres einmal Gedanken über das Glück zu machen.

    Mir kommt dabei immer wieder eine Märchenfigur der Brüder Grimm in den Sinn: Hans im Glück. Hans erhält als Lohn für sieben Jahre Arbeit einen großen Klumpen Gold. Diesen tauscht er gegen ein Pferd, das Pferd gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans, und die Gans gibt er für einen Schleifstein her. Zuletzt fällt dieser schwere Stein beim Trinken in einen Brunnen.

    Als Kind mochte ich dieses Märchen nicht so sehr. Was für ein Dummkopf, dachte ich damals, wie kann man nur einen Goldklumpen hergeben und am Schluss alles verlieren? Das war für mich kein Happy-end. Hans aus dem Märchen sagt jedoch: „‘So glücklich wie ich, (…) gibt es keinen unter der Sonne‘. Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter angekommen war.“ (Fassung der Brüder Grimm)

    Was also macht uns glücklich? Ich glaube, das Märchen lässt viele Deutungen zu. Da ist einmal die Leichtigkeit, mit der dieser Hans durchs Leben geht und die uns einen Hinweis gibt darauf, dass man Leid und Enttäuschung umwandeln kann in Trost und Gewissheit über das Gehaltensein im Leben. Aber macht das Märchen nicht auch deutlich, dass Glück nicht von Geld und Besitz abhängig ist? Im Gegenteil – dieser Hans, den manche als Einfaltspinsel und Dummkopf betrachten mögen, befreit sich von allem Besitz, von allem Hab und Gut und damit auch von Sorgen und Zwängen, die der Besitz mit sich bringt.

    Nun – dies ist für unser Leben sicher nicht möglich und ich rufe auch nicht dazu auf, dass wir nun alle wie Hans im Glück durchs Leben gehen. Aber wäre es nicht schön, wenn auch wir viel öfter in der Lage wären, in allen Situationen auch das Gute und Glückliche zu sehen? Wenn wir uns weniger schwer täten, das Gewonnene auch wieder loszulassen und nicht zuletzt auch bereit wären, unseren Konsum einzuschränken, um diese Welt zu erhalten? Haben die meisten von uns nicht längst genug und legen immer noch etwas oben drauf? Alles in allem gibt dieser Hans im Glück uns eine Richtschnur für unser Leben. Er überwindet Gier und Egoismus und erreicht das, wonach wir im Leben – bewusst oder unbewusst – immer suchen, nämlich das große Glück.

    Der Philosoph Ludwig Marcuse schrieb: „…man besitzt das Glück weder im Gold noch im Schwein noch im Stein. Vieles kann einen glücklich machen, aber kein Gut macht einen glücklich in jeder Beziehung.“

    Und so wünsche ich Ihnen für das neue Jahr alles Glück der Welt und Gottes Segen, ohne den im Leben nichts gelingen kann.

                                                                                                                                          Margret Stommel

  • Grußwort 2021: Mariä Lichtmess

    Was bleibt von Weihnachten?

    Weihnachten ist vorbei. „Schade“, sagen die einen, „Gott sei Dank“, die anderen.

    Für manche ist Weihnachten vorbei, wenn im Radio ganz plötzlich kein „Last Christmas“ oder „Driving home for Christmas“ mehr gespielt wird. Bei anderen darf der Weihnachtsbaum bis zum Besuch der Sternsinger am 6. Januar stehen bleiben. Vielerorts geht jedoch die Weihnachtszeit nach alter Tradition bis zum 2. Februar, obwohl die weihnachtliche Festzeit offiziell nach dem Tag der Taufe des Herrn endet (Sonntag nach dem 6. Januar). Auch in unserer Pfarrkirche werden die Weihnachtsbäume und die Krippe erst nach dem 2. Februar abgeräumt.

    Am 2. Februar wird es in der Kirche noch einmal festlich: wir feiern die „Darstellung des Herrn“, vielen aber geläufiger unter dem Namen „Mariä Lichtmess“. Lukas schreibt in seinem Evangelium davon, wie der greise Simeon und Hannah das Kind, das Maria und Josef in den Tempel bringen, als Erlöser erkennen. Für Simeon ist dieses Kind „ein Licht, das die Heiden erleuchtet“. So werden an diesem Tag die Kerzen für das ganze Jahr gesegnet und in manchen Kirchen findet eine Lichtprozession statt. Kein Wunder, dass diese Symbolik stark an das Weihnachtsfest erinnert und damit einen Abschluss der Weihnachtszeit darstellt.

    Was aber bleibt? Ich meine, es war in den letzten Jahrzehnten nie so deutlich zu spüren, wie an diesem Corona-Weihnachtsfest 2020: Es bleibt ein Verlangen, eine Sehnsucht – nach Liebe, Gemeinschaft, Verlässlichkeit und nach dem Licht, das für jeden von uns leuchtet. Dafür muss Weihnachten das ganze Jahr über einen Platz in meinem Leben haben. Gott kommt in mein Leben, in meine Welt und das nicht nur am 24. Dezember. Was wird anders, wenn ich das wirklich zulasse?

                    Wenn ich zu mir komme und das Außen loslasse
                    wenn ich aus dem Reden ins Hören komme
                    aus dem Tun ins Sein wenn ich mich stelle
                    und nicht länger flüchte dann erst
                    kann Gott zur Welt kommen in mir durch mich zu den Menschen

    (Aus: Schwarz, Andrea. Du Gott der Wege segne uns. Gebete und Meditationen. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien o.J.)

     

    Margret Stommel

     

     

Dezember

  • Grußwort: Advent

    Aus dem Weihnachtsevangelium in der Heiligen Nacht:

    Der Engel sagte zu Ihnen:
    „Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude,
    die dem ganzen Volk zuteil werden soll:
    Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; 
    er ist der Messias, der Herr.“
    Lk 2, 10-11

     

    In diesen adventlichen Tagen, an denen wir uns auf Weihnachten freuen, möchte ich Ihnen diesen adventlichen Gruß zukommen lassen.

    Wahrscheinlich hätte vor einem Jahr kaum jemand damit gerechnet, dass wir uns heute wegen der Corona-Pandemie immer noch in einer prekären Lage befinden würden. Auch für uns als Pfarreiengemeinschaft Mittlere Mosel ist diese Advents- und Weihnachtszeit wieder eine ganz andere Zeit, wie wir es immer gewöhnt waren. Wir hatten uns für die Advents- und Weihnachtstage wieder ein schönes und besinnliches Programm überlegt. Gerade die Adventszeit lebt von der Musik in den Kirchen und von besinnlichen Gottesdiensten. Geplant war in diesem Jahr mit dem Universitätschor und Orchester, das Weihnachtsoratorium von Bach aufzuführen. Musikvereine und eine Bläsergruppe wollten Gottesdienste festlich mitgestalten. Wir mussten leider wieder alles absagen. Gottseidank dürfen kleine Ensembles weiter musizieren. Ebenfalls können die Chöre, zwar nur unter Auflagen, weiter singen. Die Frauengemeinschaften konnten sich wieder nicht zu ihren Adventsfeiern treffen. Nikolausfeiern für unsere Kinder konnten nicht stattfinden. Die Sitzungen der Gremien können nur unter Auflagen oder als Video- oder Telefonkonferenz durchgeführt werden. Vieles kann auch dieses Jahr nicht stattfinden. Wir müssen uns weiter in Geduld üben, bis es hoffentlich bald wieder normale Zeiten gibt.

    Gottseidank dürfen wir die heiligen Messen feiern und die Sakramente können gespendet werden. Wir können alle hl. Messen und Gottesdienste unter Einhaltung der 3G-Regel feiern. Wir sind froh darüber, dass dies möglich ist. An dieser Stelle möchte ich den Empfangsteams der Kirchen ein ganz, ganz herzliches Dankeschön sagen. Seit fast zwei Jahren sind sie Wochenende für Wochenende unermüdlich im Einsatz und sorgen für einen sicheren Gottesdienstbesuch in diesen Corona-Zeiten.

    Wir dürfen auch in diesem Jahr den Advent und Weihnachten feiern. Ja, Weihnachten findet statt! Wir dürfen die Freude, die der Engel den Hirten auf dem Feld verkündet hat auch in uns aufnehmen. Auch für uns ist in der Stadt Davids der Retter geboren worden, Jesus, unser Messias. Weihnachten wird auch in diesem Jahr stiller und verhaltender sein als in früheren Jahren. Aber im Kind von Betlehem ist uns ein Licht aufgestrahlt, dass unser Leben hell macht, auch in dunklen und schweren Zeiten.

    In diesem Jahr besteht für viele die Möglichkeit, die Advents- und Weihnachtszeit etwas ruhiger zu gestalten. Sicherlich finden Sie neue Gestaltungsideen für diese Zeit. Ich wünsche Ihnen viele adventliche Erlebnisse.

    Von Herzen wünsche ich Ihnen eine gesegnete Adventszeit, ein frohes und glückliches Weihnachtsfest und Gottes treues Geleit im neuen Jahr

    Ihr

    Matthias Hermes, Pfarrer

November

  • Grußwort: Dabei bleiben

    Nun ist es soweit: wir werden eine Pfarrei – aus sechs wird eins. Der erste spürbare Schritt in der Synodenumsetzung. Spürbar deshalb, weil es um die Struktur geht, die uns jahrhundertelang Halt gegeben hat und man jetzt das Gefühl hat, dass nichts mehr so sein wird, wie es mal war.

    Nun mag man darüber klagen, aber dabei darf man nicht vergessen, dass diese Zusammenlegung der Pfarreien zur derzeit herrschenden Mangelverwaltung gehört. Wir haben einen Mangel an Priestern aber auch einen Mangel an Gläubigen. So werden die Pfarreien immer größer, die Zahl der Gottesdienstbesucher und Engagierten wird immer kleiner. Ursachen hierfür gibt es viele – sowohl auf der Seite der Institution Kirche als auch auf der Seite der Gemeindemitglieder. Die Glaubenspraxis der Menschen hat sich verändert, auch weil die Gesellschaft sich verändert hat.

    Was aber bedeutet das nun für uns Menschen hier vor Ort? Wie sollen und können wir mit all dem Neuen umgehen?

    Zuerst einmal ist meine Antwort darauf: Es ist doch nur die Struktur, die sich ändert. Entscheidend ist das, was wir damit machen! Der Heilige Franz von Sales hat einmal gesagt: „Der Alltag ist der Weg zu Gott.“ Ist damit nicht auch der Alltag in der Gemeinschaft einer Pfarrei gemeint? Wir alle sind konkret vor Ort gefragt, wenn es darum geht, die Frage nach Gott offen zu halten. Nach meiner Überzeugung ist dafür die Struktur zweitrangig; wichtig ist, ob wir als Christen, als Kirche, für die Menschen in all ihrer Vielfalt da sind. Und das ist dann wieder leichter umzusetzen, wenn es auch eine gewisse Struktur gibt. Dazu wählen wir am 29./30. Januar einen neuen Pfarrgemeinderat. Der aber benötigt in einer lebendigen Gemeinde jede Menge Unterstützung, damit wir eine lebendige Gemeinde bleiben oder werden. Dazu habe ich eine Vision: wir als Mitglieder einer Pfarrei müssen Dinge anstoßen, die über die Gemeinde hinaus Wirkung entfalten und strahlen. Lassen Sie uns daran arbeiten, machen Sie mit: Veränderung ist möglich!

    Genau daran haben auch all die engagierten Gemeindemitglieder gearbeitet, die sich viele Jahre lang ehrenamtlich innerhalb und außerhalb der Gremien für die Belange der Pfarreien eingesetzt haben.

    Ihnen allen ein herzliches Dankeschön verbunden mit dem Wunsch, dass Sie auch in der neuen Pfarrstruktur zur Gremienarbeit bereit sind, mithelfen und ihre Erfahrung einbringen.

    Kommen Sie oder bleiben Sie, damit wir unsere Arbeit hier vor Ort gut und verantwortungsvoll gestalten können! Wie schön wäre es, wenn die Botschaft von Glaube, Hoffnung und Liebe uns motivierte, „gemeinsam mit anderen engagierten Katholiken und Katholikinnen von innen heraus für eine bessere, zukunftsfähigere und evangeliumsgemäßere Kirche zu kämpfen“

    (Beck Johanna: Trotzdem bleiben. In: Christ in der Gegenwart Nr. 34/2021, S. 1)

                                                                                              Margret Stommel

     

     

     

  • Grußwort: Hallo November

    Düster, kalt, neblig. Der November wird wohl bei den meisten Menschen nicht unbedingt zu den Lieblingsmonaten zählen.
    Er kommt nass und kalt und trist daher. Die Sonne lässt sich
    eher selten blicken und auch die vielen bunten Farben des Herbstes vergehen immer mehr. Die Bäume werden immer
    kahler. Die Natur legt sich langsam zur Ruhe und der Winter
    rückt an.

    Wo die restlichen Monate, die eher in der Winterzeit liegen wenigstens Besonderheiten wie Weihnachten, Jahreswechsel oder Fastnacht haben, hat der November gleich zu Beginn zwei kirchliche Tage, die uns einmal mehr an unsere Vergänglichkeit, an den Tod und die Trauer um geliebte Menschen erinnern – nämlich Allerheiligen und Allerseelen. Na toll und dieser Monat
    rückt auch dieses Jahr jetzt wieder an.

    Der ein oder andere von Ihnen wird sich jetzt vielleicht fragen, was ist das bitte für ein deprimierendes Grußwort, na danke auch. Doch einen Moment bitte, denn ich bin ja noch nicht fertig… Ich sehe den November nämlich eben nicht so. Für mich, und ich wage jetzt mal zu behaupten auch generell für meine Familie, war der November immer schon sehr positiv besetzt. Ich freue mich jedes Jahr aufs Neue wie eine Schneekönigin auf den Beginn des Novembers. Als Kind habe ich geradeso auf den 1. November hin gefiebert. Das mag damals wohl vor allen Dingen daran gelegen haben, dass ich im November Geburtstag habe und das für mich hieß: An diesem einen Tag im Jahr dreht sich einmal alles um mich und ich bekomme Geschenke! Heute ist das nicht mehr der alleinige Grund, warum ich den November so sehr mag. Ich liebe es heute nämlich außerdem mich gerade in diesen tristen Novembertagen zusammen mit meinen Lieben einzukuscheln, vielleicht mit einem guten Buch, einem Film oder einem gemeinsamen Spieleabend. Eine Tasse Tee dazu und meine kleine, heile Welt ist perfekt. Dann ist es gemütlich, dann fühle ich mich wohl. Für mich heißt November immer auch Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie zu verbringen, für einander dazu sein.

    Im November gedenken wir außerdem eines Mannes, der so viel Licht in unsere Welt gebracht hat und dass nicht nur durch die vielen Laternenumzüge, die ihm zu Ehren veranstaltet werden. Der heilige Martin hat mit seinem Handeln und seiner Art zu leben ein gutes Vorbild, für gelebte Nächstenliebe gegeben und damit unsere Welt auf seine Weise ein Stückchen heller gemacht. Wir sollten uns an dieser Stelle eine große Scheibe von St. Martin abschneiden und mit unserem Handeln auch ein wenig Licht in diese düstere Zeit hineintragen. Lasst uns füreinander da sein, einander Wärme spenden und ein Lachen ins Gesicht zaubern. Das kann ja schon im Kleinen anfangen, wenn wir für den Nachbarn einmal einkaufen gehen oder dem Partner einen Tee an den Schreibtisch oder ans Bett bringen. Genießen Sie die Zeit mit ihren Lieben, gerade auch jetzt im November! Dann wird auch der November zu einem hellen Monat, den es zu feiern gilt und den wir begrüßen können wie einen alten Freund!

    Bis bald, vielleicht ja sogar noch im November.

     

    Alina Liesch, Gemeindereferentin

     

Oktober

  • Grußwort: Danken befreit

    Zu meinen besonderen Glücksmomenten gehört die Ernte in unserem Garten. Welch eine Freude, wenn Mirabellen und Pflaumen gepflückt werden, wenn die reifen Äpfel in den Bäumen leuchten und der Duft der Quitten durch das Haus zieht.

    Vielleicht ist mein Glücksgefühl deshalb so groß, weil vor der Ernte viele, viele Stunden des Sorgens stehen. Das Hacken und Jäten, das Gießen und Düngen im Gemüsebeet, aber auch das Beobachten der Pflanzen: Blühen die Bäume? Sind Insekten da, die sie bestäuben? Gibt es Regen? Kommen noch einmal Nachtfröste? In meinem Garten hängt von all dem nicht meine Existenz ab. Aber er ist im Kleinen ein Spiegelbild dessen, was ich in meiner Kindheit auf dem Bauernhof meiner Eltern erlebt habe. Vielleicht ist das ein Grund für meine große Freude über die Ernte im Garten. Auf jeden Fall ist dieses Glücksgefühl beim Anblick all der gewachsenen Früchte früher wie heute mit einem Gefühl großer Dankbarkeit verbunden, die meine ganze Seele erfüllt. Eine Dankbarkeit, die einmal im Jahr in unserer Kirche explizit ihren Ausdruck findet im Erntedankfest. Hier kann uns bewusst werden, dass auf dieser Erde nichts einfach so ist. Alles hat einen Urgrund und die Früchte der Erde sind ein Geschenk Gottes, das in mir große Freude auslöst – und vor allem Dankbarkeit.

    Besonders treffende Worte zum Danken habe ich in der Zeitschrift Christ in der Gegenwart gefunden.  Dort schreibt die Historikerin und freie Autorin Judith Rosen: „Ein ‚Danke‘ ist eine kleine Liebeserklärung. Es befreit von der Selbstzentriertheit, von Kleinlichkeit und Stolz. Danken weitet Herz und Geist.“ Und weiter heißt es dort: „Danken ist ein Fest für die Seele. Wer seine Dankbarkeit mit der Liebe Gottes begründet, findet einen die Zeit überbrückenden Halt, der Stürmen standhält.“*

    Und so möchte ich manchmal, wenn ich durch meinen Garten gehe, singen: „Danke, oh Herr, ich will dir danken, dass ich danken kann.“

    Margret Stommel


    *Rosen, Judith: Danke, dass ich danken kann. In: Christ in der Gegenwart. Nr. 40/2021, S. 18

  • Grußwort: Gräben ziehen und Brücken bauen

    Die Wahl ist gelaufen. Wir haben wieder Demokratie geübt und Gesellschaft mitgestaltet. Die Zeit davor war wie immer geprägt von Wahlkampf. Eigentlich eine wichtige und spannende Zeit für eine demokratische Gesellschaft. Es ist die Zeit der großen Diskussionen, der Argumente und der Angriffe auf den vermeintlichen politischen Gegner.

    Gräben werden aufgerissen, Positionen abgesteckt und die Unterschiede herausgestellt.

    Das gehört nun mal zu einer Demokratie.

    Genauso gehört aber zur Demokratie, dass man genauso jederzeit fähig ist Brücken zu bauen, aufeinander zu zugehen.  Vor allem nach einer Wahl.

    Was ist eigentlich schwerer? Gräben zu ziehen, oder Brücken zu bauen?

    Die Antwort fällt leicht. Um einen Graben zu ziehen, brauche ich nur eine Schaufel, einen  Bagger vielleicht, wenn er besonders tief und breit werden soll. Um einen Graben zwischen Menschen zu ziehen, bedarf es nicht vieler Worte. Einfühlungsvermögen und Feingefühl kann ich weglassen. Nachdenken lohnt nicht.

    Bei einer Brücke sieht das ganz anders aus. Eine Brücke muss tragfähig sein. Sie muss etwas aushalten. Eine Brücke soll Menschen miteinander verbinden, Wege abkürzen und Hindernisse überwinden. Dazu bedarf es der Planung und des Zusammenspiels vieler. Der Ingenieur macht den Plan, der Statiker berechnet die Tragfähigkeit, der Geologe prüft den Untergrund für die Fundamente. Und dann wird über das Material und die Bauweise entschieden. Hängebrücke, Bogenbrücke, Stahlkonstruktion oder Beton. Es wird viel geplant und Hand in Hand gearbeitet.

    Um Brücken zwischen Menschen zu bauen, ist der Aufwand nicht kleiner. Vor allem wenn die Gräben vorher tief waren. Um Brücken zwischen Menschen zu bauen, braucht man viele Einzelschritte: Vorurteile müssen überwunden werden, ein gemeinsames Ziel sollte im Blick sein, die Verschiedenheit des Anderen muss ich lernen zu akzeptieren. Brücken zwischen Menschen bauen heißt auch, zu neuen Ufern aufbrechen. Hoffnung, Versöhnung, Vertrauen, gut miteinander streiten um den rechten Weg. Kompromissfähigkeit und Geduld erhöhen die Tragfähigkeit jeder Brücke enorm. Diese Fähigkeit brauchen wir zur Zeit an vielen Stellen. In der Politik und mindestens genauso viel in unserer Kirche.

    Einen hervorragenden Brückenbauer gab es bereits in der Menschheitsgeschichte. Jesus von Nazareth.  Er hat vorgemacht, wie man streiten kann, ohne Gräben aufzureißen. Klare Positionen hat er vertreten, auch gegen die vorherrschende Meinung. Zuhören konnte er und auf Menschen zugehen. Auch wenn Sie zu den Ausgestoßenen der Gesellschaft gehörten. 

    Und nie hat er einen seiner Gegner diffamiert oder beschimpft.

    Bis heute gibt es die Brücken, die er gebaut hat. Sie sind tragfähig und es lohnt sich drüber zu gehen.

    Hubertus Kesselheim
    Pastoralreferent in der Polizeiseelsorge 

September

  • Grußwort: "Das Lied des Lebens"

    In unserer Gemeinschaft ist es wie mit einem Orchester. Die Musiker müssen gut aufeinander hören. Es geht nicht, dass einer viel schneller spielt, sodass die anderen nicht mehr mitkommen. Es geht auch nicht, dass eine ganz laut spielt, sodass man die leiseren Instrumente nicht mehr hört. Damit eine schöne Melodie entsteht, müssen die Musiker gut zusammenspielen. Dabei ist jede Stimme, jeder Ton, jedes Instrument wichtig und schön. So ist das auch in den Gemeinschaften, in denen wir leben, in der Familie, in der Schule, auf der Arbeit oder in der Freizeit. Wir alle sind aufeinander angewiesen und es ist schön, wenn wir rücksichtsvoll und verständnisvoll mit dem anderen umgehen, wenn wir wie Musiker auf den anderen hören. Wie die Instrumente in einem Orchester oder die Stimmen in einem Chor, sind auch wir unterschiedlich. Und das ist auch gut so! So können wir uns gegenseitig bereichern.

    Wir alle sind Gottes Kinder und wissen: Gott hat mich gern. So wie ich bin, mag er mich. Deshalb brauchen wir auch keine Angst zu haben, weil wir darauf vertrauen dürfen, dass Gott immer bei uns ist. Er lässt uns nicht allein, egal ob wir mit lauter Stimme fröhliche Lieder singen oder ganz kleine und leise Töne hervorbringen. Er nimmt uns an in unserer Unterschiedlichkeit. Mit seiner Hilfe können wir unser Leben und das unserer Mitmenschen zum Klingen und zum Schwingen bringen. Gott lädt alle ein mit einzustimmen in das Lied des Lebens.

    So heißt es in einem Lied: „Du bist ein Ton in Gottes Melodie, ein süßer Ton in seiner Symphonie.
    Ob Dur, ob Moll, ob leise oder laut, mach dich mit Gottes Melodie vertraut. Hier bist du willkommen, keiner ist zu klein. Hier wirst du ernst genommen, genauso soll es sein.“

    Andrea Nörling, Gemeindereferentin

August

  • Grußwort: Mit Maria in den Himmel

    Am 15. August feiern wir das Fest „Mariä Himmelfahrt“ – ein Fest, das zumindest hier in unserer Gegend fast unbemerkt an uns vorüber geht, vielleicht auch, weil es kein gesetzlicher Feiertag ist, so wie im Saarland oder gar in Frankreich und Italien.  

     

    Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mich fordert gerade dieses Fest immer wieder heraus. Vielleicht auch deshalb, weil es bei den Menschen so viele Vorstellungen von und Beziehungen zu Maria gibt. Und dann ist da der offizielle Name dieses Hochfestes: die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel. Da gefällt mir persönlich ein anderer Name besser, der mancherorts gebraucht wird: großer Frauentag. Vielleicht hat das damit zu tun, dass religiöse Feste fremd und nichtssagend bleiben, wenn wir sie nicht in eine Beziehung zu unserem eigenen Leben setzen.  

    So ist Maria für mich eine große Frau und das Thema des Festes hat einen engen Bezug zu unserem Leben. Als junge Frau erfährt sie, dass sie den Messias gebären soll. Sie weiß nicht, wie ihr Verlobter auf diese Schwangerschaft reagieren wird. Sie bringt ihren Sohn in einem Stall zur Welt, erlebt wie dieser dem Elternhaus den Rücken kehrt und im Land umherzieht und predigt, wie er schließlich verhaftet wird und einen schmachvollen Tod stirbt. Wo manche von uns misstraut hätten, verzweifelt wären, erfahren wir im Evangelium, dass Maria eine alles entscheidende Antwort gibt: „Mir geschehe, wie du gesagt hast“. Diese Antwort beeindruckt mich immer wieder aufs Neue. Hätte ich mich nicht gewehrt? Hätte die Dinge in die Hand genommen, erklärt, dass das ein Irrtum sein müsse? Aber Maria zeigt uns hier, auf welchem Weg wir das Ziel erreichen: zum einen darin, manchmal etwas mehr Demut walten zu lassen, aber auch in der Erkenntnis, dass es sich lohnt, auf Gott zu vertrauen. Nicht das „Ich-will-aber…“ sondern das „Mir-geschehe“ ist von Gott belohnt worden. Aus dem Vertrauen auf Gottes Wille, aus dem „Mir geschehe, wie du es willst“ wächst eine unglaubliche Kraft zur Veränderung der Welt. Offen zu sein für Gottes Wille, bereit zu sein für seinen Plan, auch wenn es schmerzt, das wünsche ich mir oft. Maria, die diesen Willen Gottes annimmt, wird von ihm in den Himmel aufgenommen und zeigt uns damit, dass dieser Himmel uns allen offen steht, wenn wir versuchen, den Spuren Marias zu folgen. Das bedeutet für mich, dass auch der Schmerz uns dazu anleiten kann, in der Liebe zu wachsen und aus dieser Liebe heraus, das Leben anzunehmen mit all seinen Facetten. Dazu muss ich mich in die Hände dessen begeben, auf den ich voll und ganz vertrauen darf. Er meint es gut mit mir. 

                                                                                                                        Margret Stommel

  • Grußwort: Lichtblicke

    Coronapandemie: Delta Variante des Virus auf dem Vormarsch. Schwere Unwetter und Hochwasser in Deutschland. Zahl der Toten und Vermissten steigt. Lebensgrundlage vieler ist zerstört. Sorgen, die erdrücken. Ängste, Stress, Hektik, Einsamkeit, Unfälle, Trauer, Krankheiten und Tod. Gerade in den letzten Monaten und Tagen gab es immer wieder schlimme Nachrichten und traurige Ereignisse, die wir zu beklagen hatten.
    Zu jedem Leben gehören nicht nur die schönen, die hellen Tage und Ereignisse. Das weiß auch die Bibel. Der berühmte Psalm 23 spricht von einem Wanderer, der eine finstere Schlucht hinter sich bringen muss. Solche finsteren Schluchten tauchen plötzlich auf unserem Weg auf. Es gibt keine Vorwarnung. Es können Krankheiten sein, ein schwerer Schicksalsschlag, Unfälle oder Unwetterkatastrophen, wie es erst kürzlich hier in Deutschland der Fall war. Plötzlich stehe ich vor so einer finsteren Schlucht. Vielleicht fürchte ich mich weiter zu gehen und die Schritte hindurch zu wagen. Doch wenn ich mich jetzt einfach setze, nicht weitergehe, dann bleibe ich für immer an diesem Punkt, vor der Dunkelheit, mit Blick auf diese finstere Schlucht, die mir solche Angst bereitet.
    Es braucht Mut, um eine solche Schlucht anzugehen. Wie tröstlich, dass der Psalm an dieser Stelle nicht zu Ende ist. Er geht noch weiter. Denn derjenige, der die Schlucht durchqueren muss, ist nicht alleine „ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.“ (Ps 23,4) Gott geht mit, er ist da. Er weiß um meine Sorgen. Das können wir auch noch an einer ganz anderen Stelle im neuen Testament sehen. In der Emmaus-Geschichte. Die Jünger sind nach dem Tod Jesu am Kreuz in tiefster Trauer unterwegs, wandern wohl auch gerade durchs finstere Tal und plötzlich ist da jemand, geht da jemand mit ihnen. Jemand, der zuhört, jemand, der mitgeht und den Schmerz teilt. Ein Lichtblick, jemand, der ihnen neuen Mut gibt und den sie verständlicherweise - am Ziel angekommen - dann auch noch länger um sich haben wollen. Noch bevor sie wissen, wer dieser Wegbegleiter ist, fühlen sie, dass dieses Gespräch auf dem Weg heilsam war und die Nähe dieses Menschen gutgetan hat.
    Solche Lichtblicke Gottes gibt es auch in unserem Leben immer wieder. Gott lässt auch uns nicht alleine im finsteren Tal. Und wenn ich in meinem Leben bisher zurückblicke, ist es auch wirklich so. Wenn ich einmal im finsteren Tal war, so war ich dort nie allein. Es gab immer Lichtblicke auf meinem Weg. Da war z.B. meine Familie, die mich so sehr liebt und unterstützt. Da ist mein Verlobter, der mir die Hand gibt, mich anlächelt und mir so einen Teil des Schmerzes nimmt. Der sagt, dass ich es nicht alleine schaffen muss, dass wir es zusammen schaffen. Da sind unsere Kätzchen, die mich mit ihrem Schnurren und dem weichen Fell an meiner Haut wieder auf den Boden bringen und mir ein Gefühl von Ruhe und Gelassenheit vermitteln. Da ist mein Glaube, der mir schon immer eine Laterne auf meinem Weg war, an die ich mich fest klammern durfte. Ich möchte Sie dazu einladen, einmal in sich zu gehen und gut zu überlegen, welche Lichtblicke gibt es in meinem Leben? Wo spüre ich, ich bin aufgehoben und kann es schaffen? Wo fällt der Lichtschein Gottes in meinem Leben?
    Denn schwere Zeiten wird es in meinem Leben immer wieder geben. Ich darf nur niemals vergessen, meine Lichtblicke aus den Augen zu verlieren.

    Ich wünsche den Opfern der Unwetter und Hochwasser ganz viel Kraft, dass sie ihre Lichtblicke finden und nicht aus den Augen verlieren. Und dass es weiterhin eine so große Bereitschaft zu helfen gibt.

    Es grüßt Sie herzlich,
    Alina Liesch, Gemeindereferentin

     

Juli

  • Grußwort: Miteinander und voneinander lernen

    Herzlich Willkommen zu unserer Internet Seite.

    Am 3. Juli haben wir das Fest des Apostel Thomas gefeiert. Im Jahre 52 n.Chr. kam der Apostel Thomas nach Indien und hat das Christentum nach Kerala gebracht. Auch heute werden die Christen in Kerala als Thomas-Christen bezeichnet. Unsere syro-malabarische Kirche hat etwa 3,5 Millionen Gläubige. Ein besonderes Kennzeichen dieser Kirche sind die zahlreichen Priester- und Ordensberufe. Rund 70% aller Priester und Schwestern in Indien gehören ursprünglich dieser Kirche an.

    Auch ich bin Mitglied der syro-malabarischen Kirche. Seit fast drei Jahren bin ich nun in Ihren Gemeinden. Seitdem arbeite ich hier bei Ihnen als Priester, der aus Indien kommt. Ich bin aufgewachsen und geprägt von der Frömmigkeit und Kultur Keralas. Bei uns in Kerala kennen sich die christlichen Familien und besuchen sich. Sie kümmern sich, wenn einer Hilfe braucht. Sie feiern ihre Feste zusammen. Das christliche Leben prägt ihre Familien. Unsere Pfarreien sind sehr lebendig – sie sind Netzwerke, die alle tragen.

    Vor einigen Jahrhunderten sind europäische Missionare nach Indien gekommen um uns das Evangelium zu verkünden. Heute sehen wir viel stärker als in früheren Zeiten, dass wir voneinander lernen können. Wenn wir uns als Schwestern und Brüder Jesu betrachten, dann können und sollten wir unsere Begabungen und Erfahrungen miteinander teilen. Seit ich hier arbeiten darf, erfahre ich erneut: In einer Weltkirche haben viele Kulturen Platz und sie bereichern sich gegenseitig. Denn „wir alle sind Glieder am Leib Christi“ (1 Kor 12).  So lerne auch ich von Ihnen: die Zugänge zum Glauben sind vielfältig. 

    Ihr Pater Jijo Kunnumpurath

  • Grußwort: Schmetterlingsweisheit

    Es ist Sommer und für viele von uns ist dies auch die Zeit, an Urlaub zu denken oder zumindest mal die Seele ein wenig in der Sonne baumeln zu lassen. Dazu habe ich eine wunderbare Geschichte gefunden, quasi eine Anleitung Urlaub zu machen.

    Eine chinesische Weisheit zur Urlaubszeit, oder einfach zum Innehalten in all dem, was unser Leben so schnell macht: Fragt der Schüler seinen Meister: „Was ist das Glück?“  „Glück ist ein Schmetterling“, sagte der Meister. „Jag ihm nach, und er entwischt dir. Setz dich hin, und er lässt sich auf deiner Schulter nieder.“

    „Was soll ich also tun, um das Glück zu erlangen?“ fragte der ungeduldige Schüler

    „Hör auf hinter ihm her zu sein.“

    „Aber gibt es nichts, was ich tun kann?“

    „Du könntest versuchen, dich ruhig hinzusetzen, wenn du es wagst.“

     70 % unserer Lebenszeit verbringen wir mit Arbeit und schnelllebigem Tun.  Wie schnell doch die Zeit vergeht auf der anstrengenden Suche nach einem geglückten Leben. Und dann begegnet mir diese einfache Weisheit. Und wenn ich ehrlich mit mir bin, dann kann ich viele Momente in meinem Leben entdecken, in denen diese Weisheit lebendig wird: Ein kleines Kind mit einem Ball in der Hand will mit mir spielen. Mein Partner oder meine Partnerin nimmt mich einfach an der Hand, um mit mir in ein Konzert mit meinem Lieblingsmusiker zu gehen. Ein ehemaliger Freund, der mich einmal sehr verletzt hat, will mich um Verzeihung bitten. Die Sonne bricht durch die Wolken, findet mich am Seeufer sitzend und kann mich wärmen und mir guttun.

    All das kann geschehen, ohne dass ich danach suchen muss, ohne dass ich ihm hinterherlaufe. Aber eine wichtige Voraussetzung muss ich erfüllen. Ich muss da sein und ich muss Zeit haben.

    Und ich darf nicht besetzt sein mit all den anderen Dingen, die mein Leben bestimmen.

    Alles hat seine Zeit: Die Arbeit genauso wie die Ruhe, die Termine genauso wie das Nichtstun. Das Glück zu finden ist auch die Kunst des Loslassens und Sich-führen-lassens. Und die Kunst des Gottvertrauens kann nützlich sein auf dem Weg zum Glück. Was zweckfrei erscheint, ist fast niemals sinnlos.

    Ein herzlicher Gruß

    Hubertus Kesselheim

Juni

  • Grußwort: Johannistag – ein Fest zum Abnehmen

    Am 24. Dezember feiern wir die Geburt Christi und genau ein halbes Jahr später, am 24. Juni, feiert die Kirche den Geburtstag Johannes des Täufers. Neben Jesus und seiner Mutter Maria ist Johannes der einzige, dessen Geburtstag als Hochfest begangen wird. Und bei kaum einem anderen Heiligen hat sich rund um den Festtag ein so vielfältiges Brauchtum entwickelt wie beim Johannistag. Vielerorts werden Johannisfeuer entzündet oder Johanniskronen geflochten. Wir alle kennen das Johanniskraut, dessen Öl besondere Heilkräfte entwickelt, bei Hautverletzungen hilft und bei Niedergeschlagenheit und Depressionen empfohlen wird. Und noch etwas fällt auf: der Johannistag wird sehr passend mit dem Datum der Sommersonnenwende gefeiert.

    Was hat es mit all dem auf sich?

    Da ist dieser Johannes, der zu seiner Zeit als Täufer sehr bekannt ist, der das Unrecht anprangert und seinem Zorn auch mal freien Lauf lässt. Er ist der letzte Prophet des Alten Bundes. Die Menschen hören ihm zu, viele ändern ihr Leben und lassen sich taufen. Und als er eines Tages Jesus begegnet, geraten die beiden nicht in Streit, wie man hätte denken können, denn sie sind ja so etwas wie Konkurrenten, sondern Johannes sagt: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ (Joh 3,30) Dieser Satz des Johannes stellt den Bezug her zum Datum, an dem das Johannisfest gefeiert wird: ab jetzt werden die Tage wieder kürzer. Aber vor allem zeigt dieser Satz, dass Johannes genau den Augenblick wahrnimmt, in dem er sich diesem Jesus überlassen kann. Er macht ihm Platz, und das nicht nur räumlich, sondern vor allem in seinem Herzen. So wie damals weist er uns heute auf den hin, den wir in unserer Mitte nur allzu leicht übersehen.

    Wieviel Platz geben wir Jesus in unserem Herzen? Lassen wir ihn in uns wachsen? Sind wir bereit uns zurückzunehmen, um Platz zu schaffen für ihn?

    „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“

    Erinnern wir uns doch häufiger an dieses Johanneswort, dann schaffen wir es vielleicht, über uns hinauszuwachsen.

    Margret Stommel

     

  • Bolivien-Kleider-Sammlung

    Dankeschön

    In der Pfarreiengemeinschaft Mittlere Mosel fand vom 24. - 26.06.2021 die Bolivien-Kleider-Sammlung – Corona-bedingt als „Bringsammlung“ statt.
    Die Altkleider konnten unterhalb der Weinbrunnenhalle in Kröv abgestellt werden und wurden dann am Samstag, 26. Juni 2021 in den frühen Morgenstunden verladen und abtransportiert.
    Unser Dank geht an Ortsbürgermeister Thomas Martini, seine Mitarbeiter und die Gemeinde Kröv für die Bereitstellung des Sammelplatzes und die gute Zusammenarbeit. Weiterhin bedanken wir uns bei den Spendern der Kleider und bei den Helfern, die am Samstagmorgen den LKW beladen haben.

     

    Pressemitteilung Juni 2021

    „Bringen Sie uns Ihre alten Klamotten!“
    In diesem Jahr ist die Bolivien-Sammlung eine Bring-Sammlung

    Auch die Bolivien-Sammlung im Dekanat Wittlich ist von der Corona-Pandemie betroffen: 2021 wird sie nicht wie gewohnt als Haus- und Straßensammlung durchgeführt, sondern in Form einer Bring-Sammlung.

    In der Pfarreiengemeinschaft Mittlere Mosel können Sie Ihre Alt-Kleider gut verpackt in stabilen Müllsäcken am 24. bis 25. Juni 2021 unterhalb der Weinbrunnenhalle in Kröv abstellen.
    Der Abtransport der Säcke erfolgt in den frühen Morgenstunden am 26. Juni. Daher ist ein späteres Abstellen von Kleidersäcken nicht mehr möglich.

    Sammeltüten können dieses Jahr aus Kostengründen nicht verteilt werden.

    Durch die fehlenden Kleidersammlungserlöse vom letzten Jahr fehlt in Bolivien das Geld „vorne und hinten“. In dieser schweren Zeit kann eine Geldspenden ungemein weiterhelfen:
    Spenden können auf folgendes Konto überwiesen werden:
    Förderverein Bolivienpartnerschaft, IBAN: DE27 3706 0193 3006 9680 14, BIC: GENODED1PAX.

    Weitere Informationen hierzu gibt es bei Pastoralreferent Armin Surkus-Anzenhofer unter 0160/7490005, E-Mail: armin.surkus-anzenhofer(at)bistum-trier.de oder im Pfarrbüro Traben-Trarbach, Tel. 06541 6487, E-Mail: pfarramt.trtr(at)pfgmm.de

  • Grußwort: Das Senfkorn und die Begegnung im Bäckerladen

    In all den Jahren, in denen ich als Religionslehrerin gearbeitet habe, gehörte es immer wieder zum Lehrstoff mit den Kindern über das Reich Gottes zu sprechen. Ein für die Schülerinnen und Schüler schwieriger Stoff. Und nicht nur für sie – auch mancher Erwachsene fragt sich, wie er das mit dem Reich Gottes verstehen soll. Auch für Jesu Zuhörer vor zweitausend Jahren war es nicht einfach. Das wusste Jesus und hat deshalb vom Reich Gottes in Gleichnissen gesprochen. Eines davon hören wir am Sonntag im Evangelium:

    Das Reich Gottes gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können. (Mk 4,31f)

    Eines wird in diesem Gleichnis deutlich: das Reich Gottes in der Welt wächst auf geheimnisvolle Weise. Das kleine Samenkorn birgt eine ungeahnte Kraft in sich und bei allen Widrigkeiten, die wir erleben, dürfen wir auf Gott vertrauen und hoffen. Aber ist das alles, oder braucht das Wachsen und Werden des Reiches Gottes auch unser Zutun? Ich denke ja! Und da habe ich irgendwann im Winter einen kleinen Text in der Süddeutschen Zeitung entdeckt, der mich seitdem nicht mehr loslässt:

    Eine Bäckerei in Pfaffenhofen. Ein Vater steht mit seinem kleinen Sohn an der Kasse an, aber als sie mit dem Bezahlen an der Reihe sind, wollen seine Karte und das Lesegerät einfach nicht miteinander. Drei, vier Versuche schlagen fehl, keine Verbindung. Bargeld hat er nicht dabei, nicht mal einen Notgroschen, allzu moderne Zeiten. Ein Mann und eine Frau hinter ihm in der Schlange melden sich wie aus einem Mund. „Kann ich helfen?“ Die Rechnung beträgt acht Euro. Der nette Mann reicht dem entnervten Vater eine Zehn-Euro-Schein, endlich kann er bezahlen. Die nette Frau wiederum gibt dem netten Mann einen Fünfer. „Wir teilen, so haben wir zwei gute Taten getan“, sagt sie. Nun ist sie selbst an der Reihe, verlangt einen Laib Brot und einen Donut. „Der Donut geht aufs Haus“, sagt der Verkäufer – „jetzt sind’s drei gute Taten“.  (Klaus Bachhuber)

    Beginnt nicht so das Reich Gottes in unserem Alltag an jedem Tag neu?

    Margret Stommel

  • Grußwort: Fronleichnam

    Fronleichnam - wir müssen uns nicht verstecken

    Besonders intensive Erinnerungen habe ich an die Fronleichnamsfeste meiner Kindheit in meinem Heimatdorf. Tagelang vorher haben wir
    Kinder Blumen gesammelt, deren Blüten in Bottichen im kühlen Keller aufbewahrt wurden. Vor meinem Elternhaus bauten die Frauen am Vorabend zu Fronleichnam einen der vier Altäre auf, Blumenteppiche wurden gelegt und der gesamte Prozessionsweg wurde zu einer Allee
    aus frischem Birkengrün. 
    Der Festgottesdienst fand draußen statt und dann war das ganze Dorf singend und betend mit dabei, wenn die Monstranz mit dem Leib Christi durch die Straßen des Ortes getragen wurde.

    Vieles hat sich seitdem verändert. Und nicht selten müssen wir uns heute dafür rechtfertigen, wenn wir als Christen an einer Tradition wie Fronleichnam festhalten. Wird dieses Fest noch verstanden? Oder ist es nur eine schöne, nostalgische Erinnerung? Passt es noch in unsere Zeit?

    Fronleichnam – das Hochfest des Leibes und Blutes Christi – ist ein Fest der Freude, wir feiern, dass Christus in Brot und Wein lebendig ist.
    Aber wie können wir das an Fronleichnam und in unserem Leben spürbar machen?

    Unsere innere Überzeugung, unser Herz und unser Tun sind gefragt, sonst bleiben Monstranz und Blumen nur Äußerlichkeiten. Es geht darum, Christus in diese Welt hineinzutragen, seine Gegenwart spürbar zu machen auf den Straßen unseres Lebens. Und das bedeutet für mich heute, dass nicht die Monstranz das wichtigste Gut einer Fronleichnamsprozession ist sondern dass sie ein Symbol ist für Jesu Geist in unserer Mitte und in unseren Herzen. So wie wir an die Gegenwart Jesu in der Eucharistie glauben, so muss er in unserem Leben in unseren Herzen eine Rolle spielen, uns bewegen, so wie eine Prozession zeichenhaft in Bewegung ist. Fronleichnam ist ein Auftrag: Geht zu den Menschen und erzählt ihnen von der Botschaft Jesu. Tragt sie in den Alltag! Haben wir den Mut, unseren Glauben öffentlich zu leben! Haben wir den Mut, zu zeigen, dass wir als Kinder Gottes gemeinsam unterwegs sind, dass wir miteinander Sorgen und Nöte teilen und dass wir eine lebendige Gemeinschaft sind. Das funktioniert auch, wenn es wie in diesem Jahr Corona bedingt keine Prozession geben wird.

                                                                                                                                 Margret Stommel

  • Fronleichnam - Blumenteppiche Reil und Kinheim